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Experten fordern mehr Solarenergie trotz EEG-Umlage

Umlagebefreiung für Industrie kostet Haushalte 1 Cent mehr

„Eine Stromversorgung ohne gefährliche Atomkraftwerke und ohne klimaschädliche Kohlemeiler, darum geht es, wenn um Strompreise diskutiert wird. Die Energiewende mindert die Risiken und Nebenwirkungen der Stromerzeugung. Somit ist auch die EEG-Umlage ganz klar eine sinnvolle Investition in die Zukunft“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND zum gestern bekannt gegebenen Anstieg der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Die Erhöhung der EEG-Umlage geht vor allem auf die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung zurück. Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler hat dafür gesorgt, dass die Zahl der von der Umlage befreiten Unternehmen im Jahr 2013 auf über 2000 ansteigen wird“, kritisierte Weiger. „Dies habe dazu geführt, dass die Industrie im kommenden Jahr um rund vier Milliarden Euro entlastet werde und die EEG-Umlage allein deshalb um rund einen Cent steige. Es ist unredlich, wenn Wirtschaftsminister Rösler erst die Kosten nach oben treibt und dann die Energiewende diskreditiert“, sagte der BUND-Vorsitzende.

Experten fordern mehr Solarenergie trotz EEG-Umlage_gross_Grafik_BUND

Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert. Die Umlage ist Bestandteil des Strompreises und wird jährlich festgelegt. Die energieintensive Industrie beteiligt sich aber nur zu einem geringen Teil an diesen Kosten, obwohl sie rund die Hälfte des Stroms verbraucht. (Grafik: BUND)

Gerechte Belastung wichtiger als EEG-Änderung

Trotzdem muss man sich die Frage stellen, ob der Ausbau der Erneuerbaren nicht zu teuer wird. Nein, aber es kommt auf die gerechte Verteilung der Kosten an, so der BUND. Grundsätzlich steigen die Stromkosten nämlich auch unabhängig vom Ausbau der Erneuerbaren und insbesondere dem Zubau an Solarenergie. Gerade die Industrie, die mit Arbeitsplatzverlusten droht, profitiert vom diesem Ausbau, da sie günstigen Strom von der Strombörse beziehen können und von der EEG-Umlage befreit sind. Zudem werden durch diese Befreiungen Anreize geschaffen, nicht in die Energieeffizienz der Produktion zu investieren. Dies könnte bei vielen Unternehmen nämlich dazu führen, dass sie unter die für die Umlagebefreiung notwendige Grenze rutschen und dann wieder mehr bezahlen müssten. Der BUND fordert daher eine gerechte Energiewende, in der Kosten und Nutzen der erneuerbaren Energien fair geteilt werden. Die Industrie solle daher endlich angemessen an den Umbaukosten des Energiesystems beteiligt und ungerechtfertigte Privilegien gestrichen werden.

Experten fordern mehr Solarstrom statt weniger

Würde Deutschland weiterhin auf fossile Energien setzen, so stiegen die Strompreise aufgrund steigender Preise für Steinkohle, Öl und Gas trotzdem. Laut BUND summierten sich die Importe für fossile Energieträger auf rund 80 Mrd. Euro in 2011. Und das, obwohl der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien die Rechnung schon um sechs Mrd. Euro verringert hat. Und das wird auch zukünftig so bleiben: Nach Prognosen werden die Kosten für Steinkohle, Öl und Gas bis 2030 auf 140 Mrd. Euro pro Jahr ansteigen, bis 2050 auf etwa 200 Mrd. Euro. Gerade, um diese Preiseffekte abzufedern, halten Experten wie Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, den weiteren Ausbau von Wind- und Sonnenenergie auch ökonomisch für unabdingbar. Dies würde sich dann auch auf die Preise niederschlagen: Laut Quaschning gehört Windstrom mit rund sieben Eurocent pro Kilowattstunde heute zur günstigsten Energieform. Dieser Entwicklung könnte auch der Solarstrom folgen. Während eine Kilowattstunde Solarstrom heute noch rund 16 Cent kostet, könnte Solarstrom nach Einschätzung von Quaschning in zehn Jahren sogar günstiger als Kohlestrom sein.

Bild: © BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland

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