Sanierung

Tipps und Hinweise

Ursprüngliches Bauernhaus dämmen und sanieren

Um ein altes Bauernhaus zu sanieren, muss man einiges beachten / © Hans (CC0 1.0) | pixabay.com

Im Hallenhaus verläuft der Grundriss quer zum Dachfirst, während im quergeteilten Haus die Stallgänge oder Flure quer zur Firstrichtung ausgerichtet sind. Die Fachwerkbauweise wurde über Jahrhunderte überliefert und macht den besonderen Reiz vieler Bauernhäuser aus. Das Bauernhaus war und ist die Seele des Bauernhofes mit dem Wohntrakt für mehrere Generationen und den zusätzlichen Stallungen, weiteren Wirtschaftshäusern, Speichern und Scheunen. Viele Höfe sind auch heute noch gut erhalten und wer ein Bauernhaus erbt oder eines erwerben möchte, kann heutzutage sehr gut darin wohnen und das Haus entsprechend umgestalten. Doch dafür sind einige Aufgaben notwendig, um den gängigen Standards an Sicherheit und Dämmung zu entsprechen und zukünftige Energie-Einsparungen möglich zu machen.

GRUNDINSPEKTION UND ANALYSE

Haben sich Familien für ein Bauernhaus entschieden oder eine Erbschaft erhalten, so sollten sie zunächst eine grundlegende Untersuchung von Bausubstanz und Zustand der Immobilie vornehmen und diese von Fachleuten begutachten lassen. Zwar sind Fachwerkhäuser sehr langlebig und besonders die Holzbauweise hat sich über Jahrhunderte bewährt, doch für die gängigen Standards ist eine Grundüberprüfung zwingend notwendig. Wichtige Punkte sind:

  • Anschluss an die Kanalisation und einwandfreie Abwasserleitungen
  • Bodenisolierung vorhanden oder möglich
  • Fundament trocken und stabil
  • Dachstuhl ausgebaut oder nutzbar

Steht ein Haus unter Denkmalschutz, können Hausbesitzer keine umfassenden Maßnahmen ansetzen, welche das Bild des Gebäudes massiv verändert. So sind zum Beispiel keine Grundrissveränderungen erlaubt. Allerdings sind die Baustandards für Schutz, Sicherheit und Energie zwingend einzuhalten. Weitere Informationen zum Denkmalschutz finden sich unter diesem Eintrag.

Bauernhaus Fassade Bild 2

Abbildung 1: Alte Holzfassaden müssen Handwerker eventuell austauschen oder renovieren / © Hans / pixabay.com (CC0 1.0)

Die Analyse sollte ein Sachverständiger vornehmen, der ein Gutachten verfasst und Maßnahmen und Kosten für die Sanierungsarbeiten berechnet. Meist sind Architekten hinzugezogen, die mögliche bauliche Veränderungen, wie zum Beispiel das Entfernen einer Wand und die Herstellung neuer Innenräume überwachen kann. Zusätzlich dazu sind Handwerker notwendig, welche sich mit Fachwerkbauweise und der Sanierung von historischen Objekten auskennen, um die ursprüngliche Bauweise nicht anzugreifen. Wer sich auf das Leben in einem renovierten Bauernhaus einrichtet, sollte bedenken, dass viele landwirtschaftliche Gebäude etwas außerhalb der Gemeinde- oder Stadtzentren liegen und eventuell längere Wege zu Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten oder Schulen bestehen. Auf der anderen Seite bietet das Bauernhaus mit einem großen Grundstück Platz für Kinder, Tiere, Gartenanlagen oder Pool und die Umgebung ist oft ruhiger und mit weniger Schadstoffen belastet. Mit den Pro- und Contra-Listen auf folgender Homepage können Unentschlossene herausfinden, ob die Renovierung und der Bezug eines Bauernhauses wirklich etwas für sie ist. Darüber hinaus gibt es Tipps für Selbstversorger und die Gestaltung der Räumlichkeiten, denn ein Bauernhaus hat viel mehr zu bieten, als reinen Wohnplatz.

HISTORISCH BEDINGTE EIGENSCHAFTEN

Die frühere Bauweise hat einige Vor- und Nachteile. Besonders für ein energetisch sinnvolles System sind viele historische Gebäude nicht mehr zeitgemäß. Fenster und Türen sind in der Regel nicht gut gedämmt, die Innenwände können sehr dünn sein und wenig Lärm oder Kälte abhalten. Die Außenwand kann Risse oder Feuchtigkeit enthalten und das Dachgeschoss ist durch große Holzbalken schwer zu bewohnen oder das Dach ist insgesamt nicht ausreichend isoliert. Oft ist beim Holzdach zu prüfen, ob sich Schädlinge eingenistet haben oder die Balken morsch geworden sind. Sind die Schäden zu groß, müssen die Besitzer den historischen Dachstuhl austauschen. Da vor 100 Jahren die durchschnittliche Körpergröße noch um ein Vielfaches geringer war, sind viele Räume sehr klein gehalten und die Dachstühle meist recht niedrig. Wer eine Sanierung vornimmt, sollte deshalb an eine Erweiterung der möglichen Räume denken, muss dabei jedoch auf die Stützbalken achten, die einerseits den Charme des Hauses ausmachen, andererseits für die Stabilität des gesamten Gebäudes sorgen. Eine Holzbalkendecke kann ein Eigengewicht von bis zu 220 Kilogramm pro Quadratmeter besitzen und eine Nutzlast von 200 kg/m² vorweisen, so dass ein Gesamtgewicht bis über 400 kg/m² vorliegt. In Deutschland legt die Norm DIN 1052 fest, welche Holzarten für solche tragenden Konstruktionen erlaubt sind:

  • Fichte, Tanne, Kiefer
  • Lärche, Douglasie
  • Western Hemlock, Southern Pine, Yelow Cedar

Viele tragende Balken können Hausbesitzer nicht entfernen, ohne umfassende Umbauarbeiten durchführen zu müssen. Außerdem sind die Balken ein Teil des urigen Ambientes und können durch Waschen, Abschleifen und Imprägnieren in Stand gehalten werden. Je nach Region können viele kleine Zimmer vorhanden sein, die sich für unterschiedliche Raumnutzung eignen, doch in manchen Fällen ist ein Zusammenlegen durchaus möglich. Der Bausachverständige hilft dabei herauszufinden, ob die Wände tragende Funktionen übernommen haben oder ob ein Durchbruch stattfinden kann. Bei den vorhandenen Bädern und Küchen müssen Handwerker eventuell notwendige Wasser- und Abwasseranschlüsse austauschen oder neu einsetzen, denn viele Bauernhäuser besaßen früher keine eigenen oder umfassenden Sanitäranlagen oder lagerten diese nach außen.

Eine weitere Schwierigkeit für eine gute Dämmung liegt darin, dass viele alte Bauernhäuser keine Unterkellerung besitzen und dementsprechend im Unterbau Feuchtigkeitsprobleme auftreten könnten. Deshalb sollte eine umfassende Sanierung von Erdgeschoss bis zum Dach strategisch vorgenommen sein.

DÄMMUNG UND SANIERUNG

Um den energetischen Vorgaben von Bund und Ländern zu entsprechen, müssen Altbauten nach Erwerb von 2011 das Dach dämmen oder eine Dämmschicht im obersten Geschoss einrichten. Die Außenwände sind ebenfalls seit 2009 nach der Energieverordnung zu sanieren sowie die Heizrohre und Heizkessel erneuert und isoliert sein müssen. Aktuelle Änderungen gibt es in diesem Artikel zu lesen.

Bei Fachwerkhäusern empfiehlt sich die Dämmung von innen, um bei einem bestehenden historischen Dach keine zu großen Änderungen vornehmen zu müssen. Die Untersparrendämmung ist mit vielen Baumaterialien zu realisieren, allerdings verkleinert sie den bestehenden Raum je nach Verarbeitung um einige Zentimeter. Die Zwischensparrendämmung nutzt Dämmmaterial, das Handwerker zwischen die Sparren anbringen. Dafür ist jedoch oft eine zusätzliche Verkleidung und Verstärkung der Dachsparren notwendig, welche den Wohnraum ebenfalls verkleinern. Ist der Dachstuhl zu sehr beschädigt, kommt die Aufsparrendämmung in Frage, die allerdings hohe Kosten veranschlagt und zusätzlich dazu sollten Dachdecker das Dach historisch rekonstruieren.

Wer ursprünglich bleiben möchte, verwendet bei der Dämmung Naturfasern wie Baumwolle, Kork oder Holzfasern, die dem natürlichen Charme des Bauernhauses entsprechen. Wichtige Eigenschaften der Dämmstoffe sind:

  • Geringe Wärmeleitfähigkeit
  • Schallschutz
  • Zugfähigkeit
  • Druckbelastbarkeit
  • Wasseraufnahme

Wichtigste Funktion ist die Wärmeisolierung und das Verhindern von Feuchtigkeit, da vor allem in dicken Steinmauern alter Bauernhäuser keine Sperre gegen aufsteigende feuchte Wände besteht. Eine Dachisolierung beispielsweise aus Zellulose kann die Feuchtigkeitsregulierung des Hauses gut koordinieren.

Bauernhaus Keller Bild 3

Abbildung 2: Ist ein Keller vorhanden, sollten Hausbesitzer ebenfalls umfassend dämmen und sanieren / © LoggaWiggler / pixabay.com (CC0 1.0)

Bei der Isolierung der Wände kommt es darauf an, ob das Gebäude denkmalgeschützt ist oder nicht, um eine Innen- oder Außendämmung vorzunehmen. Die Innendämmung kann die äußere Fassade erhalten und wenn eine gute Verarbeitung vorliegt, brauchen Hausbesitzer keine Bedenken über Feuchte- oder Schimmelschäden haben. Eine Innendämmung besteht aus folgenden Bestandteilen:

  • Tragekonstruktion
  • Dämmstoff
  • Dampfbremse
  • Innenverkleidung

Viele sehen besonders die Dampfbremse in Form der Dampfsperre kritisch, die eine luftdichte Ebene darstellt und das Weiterleiten von Feuchtigkeit verhindert, jedoch bei mangelnder Handhabung zu größeren Schäden führen kann. Die Dampfbremse erlaubt es dabei kleinste Mengen von Dampf hindurch zu lassen, die in warmen Jahreszeiten von selbst trocknen können. Natürliche Materialien wie Pappe oder Papier sind dafür meist ausreichend. Hilfreich ist dies in Altbauten, in denen Fugen und Ritzen feuchtwarme Luft hindurch lassen könnten. Hilfreiche Informationen zur Innendämmung gibt es auf folgender Seite.

Übrigens lassen sich alte Möbel und Einrichtungsgegenstände ebenfalls renovieren und können den altertümlichen Charme des Bauernhauses noch besser zur Geltung bringen. Die Kosten der Baumaßnahmen rentieren sich durch eine sinnvolle Wärmeisolierung und durch den besonderen Reiz in einem historischen Gebäude mit langer Geschichte seinen neuen Lebensraum zu finden.

4 Kommentare

  1. Treitner Wohnungsrenovierung sagt

    Ein hochinteressanter Artikel; wir renovieren momentan die Innenräume eines ca. 150 Jahre alten Bauernhofes und müssen die Schäden welche in den 1960er bis 90er Jahren durch nicht fachgerechte Renovierungsversuche entstanden sind erst entfernen, wie Zementverputz und genetzte Wände, bevor wir mit dem eigentlichen Renovieren beginnen konnten.

  2. Hallo ich habe mir ein altes Bauernhaus gekauft. Ich weiß aber nicht was die optimalste Dämmung dafür ist. Aussendämmung oder Innendämmung! Wer kennt sich damit aus und kann mir helfen?
    Grüße Pascal

  3. Danke für die guten Informationen zur Renovierung der Fassade. Bekannte dämmen gerade ihr Haus. Wegen den recht niedrigen Zinsen, ist der Zeitpunkt gerade recht günstig.

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