Energie, Wohnen

Baden-Württemberg prüft Solarpflicht für neue Gebäude

Im Rahmen des 6. Solarbranchentages in Stuttgart sagte der baden-württembergische Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller (Bündnis90/Die Grünen) , dass das Ministerium derzeit überlege, eine generelle Photovoltaikpflicht für Neubauten einzuführen. Das Land solle so seine installierte Photovoltaikleistung verdoppeln.

„Um zu erreichen, dass 2030 mehr als jede zweite in Baden-Württemberg erzeugte Stromkilowattstunde aus erneuerbaren Energien kommt, muss der Ausbau von Photovoltaik viel schneller vorangehen. Eine Verpflichtung, PV-Anlagen zu installieren, wenn es grundsätzlich möglich ist, würde dabei helfen“, sagte Untersteller.

Das Land möchte die PV-Leistung verdoppeln

Erfreulich sei zwar, dass die Photovoltaik schon jetzt mit mehr als neun Prozent den größten Beitrag zur Versorgung durch Erneuerbare liefere, fügte der Energieminister hinzu. „Für den Ausbau der Photovoltaik wollen wir uns aber elf Gigawatt als Zielwert setzen – was in etwa einer Verdoppelung der aktuell installierten PV-Leistung entspricht.“

Als Grundlage für den Ausbau der Photovoltaik auf Dächern könne das landesweite Solarkataster dienen, das im Energieatlas Baden-Württemberg angeboten werde. „Wir wollen aber nicht nur Dächer und Fassaden verstärkt nutzen“, hob Untersteller hervor, „sondern auch Freiflächensolaranlagen voranbringen. Nur so können wir das gesamte Potenzial der Photovoltaik ausschöpfen.“

Umweltministerium veröffentlich Leitfaden für Freiflächen-Photovoltaik

Das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat am 21. Oktober 2019 außerdem einen Handlungsleitfaden zur Errichtung von Freiflächensolaranlagen veröffentlicht. Er richtet sich an Kommunen, Behörden, kommunale Landesverbände, Regionalverbände, Naturschutzverbände, Bauernverbände sowie Projektierer und Planer. Als Baustein der Solaroffensive des Landes soll der Leitfaden den Ausbau der solaren Freiflächenanlagen in Schwung bringen.

Freiflächenanlagen seien mehr als monofunktionale Kraftwerke

„Mit unserem Handlungsleitfaden wollen wir Impulse setzen, um dem negativen Image gegenüber Freiflächensolaranlagen entgegen zu treten“, sagte Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller. Solare Freiflächenanlagen seien bei weitem mehr als monofunktionale Kraftwerke. „Wenn hinter ihnen ein durchdachtes, ökologisches Gesamtkonzept steht, können sie Energie- und Klimaschutzziele mit den Anliegen des Naturschutzes verbinden. So leisten sie einen wertvollen Beitrag zur naturverträglichen Umsetzung der Energiewende.“

Freiflächensolaranlagen für mehr Artenvielfalt

Der Handlungsleitfaden enthält neben Informationen zur Wirtschaftlichkeit, zum Planungsrecht und zur Bürgerbeteiligung insbesondere Hilfestellungen zur ökologischen Gestaltung von Freiflächensolaranlagen. Er zeigt anhand verschiedener Beispiele anschaulich die vielfältigen Optionen auf, wie die Artenvielfalt bei der Errichtung solcher Anlagen verbessert werden kann.

Bislang kam der Ausbau der Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Land trotz der Erweiterung der Gebietskulisse auf der Grundlage der Freiflächenöffnungsverordnung aus dem Jahr 2017 sowie entsprechender Informationen an die kommunalen Planungsträger nur schleppend voran. „Das muss sich dringend ändern“, betonte Untersteller. „Um die Energiewende erfolgreich umzusetzen und die Klimaschutzziele zu erreichen, muss der Ausbau der Freiflächensolaranlagen zügig vorankommen.“

Den Leitfaden zur Errichtung von Freiflächensolaranlagen hat das Umweltministerium gemeinsam mit Fachinstituten, Expertinnen und Experten für Solarenergie und Landschaftsplanung sowie dem Wirtschaftsministerium des Landes erarbeitet.

1 Kommentar

  1. Mahlinger Christoph sagt

    Der solare Wirkungsgrad der Fotovoltaik ist, was die Hitze auf dem Dach anbelangt, sehr gering. Meine Schätzung liegt bei ca. 8..10%
    Die Nutzung der Solarthermie-Anwendung mittels Vakuum-Technik ist extrem besser (eigene Erfahrung) Leider wird die sommerliche Wärme „stiefmütterlich“ behandelt- nur für warmes Brauchwasser. Würde die Überschuss-Wärme mittels z.B. Kristallisationsspeichern für die Nutzung in der „kalten“ Jahreszeit eingespeichert, so könnte ein Wärme-isoliertes Haus rein solar beheizt werden. Eine gigantische Einsparung an CO2 !! Zirka 40% weniger, gemessen an herkömmlichen Heizungen.
    Zur Speicherung der Solarwärme könnten z.B. Glaubersalz in ober- oder unterirdischen Speicherbauwerken von 10 metern Seitenflächen also 1000 m^3 dienen. Mehrere Speicher dieser Größe könnten der Beheizung ganzer Siedlungen dienen.
    Fotovoltaik käme mir nicht auf unser Dach. Diese Technik ist , verglichen mit der Effizientz der Windräder, sehr mau
    Wir sollten auch Abstand nehmen von der bisherigen Hausplanung und Pultdächer mit der Fläche nach Süden für jedes neue Haus forcieren. Dazu gibt es noch viel zu diskutieren – von wegen Schatten, aber davon gerne ein andermal.

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