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Interview zur Pelletpreis Entwicklung – Teil 2: Die zukünftige Entwicklung

Heizungsfinder: Wie sieht Ihre Prognose für die Versorgungssicherheit in Deutschland aus? Auch 2009 wurden wieder 20.000 neue Pelletheizungen gebaut. Kann der Bedarf bei dieser rasanten Entwicklung langfristig mit Holz aus Deutschland gedeckt werden?

Kilburg: Prinzipiell ja. Sie müssen sich allerdings vor Augen halten, dass Deutschland ein dicht besiedeltes Land ist, dessen Ressourcen in der Forstwirtschaft begrenzt sind. Jährliche Zuwachsraten wie derzeit können wir in den nächsten fünf Jahren decken.

Mittel- und langfristig wird Deutschland aber auch Holz aus dem Ausland hinzukaufen müssen. Hier sehe ich weniger ein Problem für die Versorgung, denn die weltweiten Holzvorräte sind ausreichend. Verschärfen wird sich der Wettbewerb verschiedener Industriezweige untereinander um den Rohstoff Holz, wie zum Beispiel mit der Holzwerkstoffindustrie. Für den Verbraucher wird sich in einigen Jahren die klassische Frage stellen ob er bereit ist, einen höheren Preis für ein Produkt aus der Region zu zahlen.

 

Heizungsfinder: Aber verschlechtert importiertes Holz nicht die Umweltbilanz einer Pelletheizung?

Kilburg:  Die CO2-Bilanz wird nicht merklich schlechter ausfallen, wenn Holz oder Pellets per Schiff importiert werden. Für LKW-Transporte liegt diese Vermutung nahe. Jedoch ist der Import logistisch auf der Straße nicht zu realisieren. Auch Züge oder die Binnenschifffahrt können den Zuwachs an CO2-Ausstoß dämpfen.

Die Logistik der Pelletindustrie verbraucht heute zwischen acht und zehn Prozent des  Primärenergie-Anteils. Im Vergleich wird für den Transport von Heizöl und Erdgas bereits zwischen elf und dreizehn Prozent Primärenergie aufgewendet. Die Tendenz für Pellets zeigt für die nächsten Jahre in Richtung zwölf Prozent, wenn Holz aus dem Ausland zugekauft werden muss.

Heizungsfinder: Bei steigenden Importen wird auch die Zertifizierung von Pellets wichtiger. Das Deutsche Pelletinstitut hat vor kurzem ein neues Gütesiegel eingeführt, dass eine europaweit einheitliche Kennzeichnung vorsieht. Wie steht C.A.R.M.E.N. zum ENplus Siegel? Ist es sinnvoll, oder entstehen Pelletproduzenten durch dieses Prüfverfahren zusätzliche Kosten, die am Ende auf den Verbraucher umgelegt werden?

Kilburg: Aus unserer Sicht wird das ENplus Siegel nicht zu einer Kostensteigerung für den Verbraucher führen. Es wird vielmehr das Konkurrenzgeschäft beleben und die Marktverteilung neu in Gang setzen. Denn mit DINplus und DIN Pelletlogistik von Din Certco gibt es bereits etablierte Prüfsiegel für Holz Pellets in Deutschland, die den gesamten Produktionsprozess überwachen.

Unternehmen werden sich für eins der beiden Siegel entscheiden. Beide Zertifizierungsverfahren parallel zu verwenden macht keinen Sinn. Welches Siegel sich durchsetzen wird, kann man derzeit noch nicht absehen. Abhängig machen werden es Hersteller zum Teil von der Akzeptanz, welches Siegel beim Kauf stärker nachgefragt wird. Das ist aber nur eine Prognose. Wir stehen der Entwicklung neutral gegenüber, so lange es den Wettbewerb fördert und den Pelletkauf transparenter macht.

Heizungsfinder: Ein altes Sprichwort lautet „Kauft Kohle im Sommer“. Ist dies auch ein guter Tipp für den Pelletkauf?

Kilburg: In jedem Fall! Die Redewendung hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Die Pelletindustrie produziert stetig und unabhängig von der Jahreszeit. Die Lagerfläche ist in Deutschland seit 2006 wie gesagt ausgebaut worden. Irgendwann stößt aber auch diese Kapazität an ihre Grenzen.

Verbraucher zeigen meist jedoch das entgegengesetzte Verhalten: sie kaufen nicht kontinuierlich über das Jahr hinweg, sondern bestellen den kompletten Jahresvorrat auf einmal. Gekauft wird meist erst dann, wenn es draußen kalt wird oder nach einer ersten längeren Frostperiode das Lager leer ist.

Die Pelletindustrie setzt deshalb in den Sommermonaten verstärkt Anreize mit unterschiedlichen Preisnachlässen. Der beste Monat um Pellets zu kaufen ist der Juni. Hier sind die Preise erfahrungsgemäß am niedrigsten. Verbraucher sollten ihre Vorräte deshalb so kalkulieren, dass das Pelletlager zum Sommer hin leer wird.

Heizungsfinder: Welche Tipps haben Sie persönlich für unsere Leser? Worauf sollte man beim Pelletkauf noch achten?

Kilburg: Vor dem Pelletkauf ist es wichtig, die verschiedenen Lieferanten in der Region sowie Fachbetriebe für Pelletheizungen zu vergleichen und Konditionen abzuklären. Manche Händler liefern zum Beispiel erst ab einer bestimmten Abnahmemenge und in einem bestimmten Umkreis. Zudem sollten Rabatte gewährt werden, je höher die Liefermenge ist.

Und immer wichtig: den Bruttopreis erfragen. Denn eventuell entstehen für den Transport, das Wiegen und die Befüllung des Lagers zusätzliche Kosten. Mit einer Sammelbestellung können sich mehrere Haushalte diese Kosten teilen  – aber nicht jeder Händler bietet solche Sammelbestellungen an. Im Zweifel einfach mal beim Lieferanten nach Kunden in der eigenen Umgebung fragen und in der Nachbarschaft über die  Erfahrungen sprechen.

Den letzen Ausschlag sollte aber immer die Qualität der Pellets geben. Welche Pellethersteller führt der Lieferant und sind diese nach den gültigen Normen geprüft und zertifiziert?

Heizungsfinder: Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie hier noch einmal den ersten Teil des Interviews zu Pelletpreisen.

1 Kommentar

  1. Pingback: Holzpellets sind jetzt günstiger als im Herbst » Heizungsfinder Blog - News zum Thema Heiztechnik

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