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IEA veröffentlicht erschreckende Energieverbrauchsszenarien

Welt-Energieverbrauch könnte bis 2035 um ein Drittel steigen

Am vergangenen Montag wurde der „World Energy Outlook“ in London vorgestellt. Dieser 690 Seiten schwere Report beinhaltet vier Rechenszenarien zur Energiemarktentwicklung unter verschiedenen Aspekten. Diese Aspekte umfassen hypothetische Ausgangspunkte über Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und Ölpreisentwicklung. Da niemand die Szenarien zu einhundert Prozent bestätigen kann, distanzieren sich die Forscher der International Energy Agency (IEA) entschieden von der Titulierung einer Zukunftsvorhersage. Im „New Policies Scenario“ wurde errechnet, dass der Welt-Energieverbrauch bis zum Jahr 2035 um etwa ein Drittel ansteigt. Der weltweite Bedarf an Energie steigt konstant, egal aus welchen Energieträgern sie entstammt. Wenn aktuelle Beschlüsse und Ziele der Politik weiter bestehen bleiben, wird auch künftig zu einem nicht geringen Anteil auf fossile Brennstoffe zur Energieerzeugung gesetzt.

Zwei-Grad-Ziel durch aktuelle Klimapolitik stark bedroht

Die Auswirkungen des Szenarios würden sich fatal aufs Klima auswirken. Das vorgegebene 2-Grad-Ziel, das die Klimapolitik versucht einzuhalten, würde deutlich überschritten. Laut dem New Policies Scenario wäre mit einer Erwärmung von 3,6 Grad Celsius zu erwarten. Die verheerenden Folgen würden letzten Endes auch das Energieversorgungssystem betreffen. Die Vorräte für fossile Brennstoffe mögen zwar irgendwann verbraucht sein, doch bis mindestens 2020 wird dies nicht der Fall sein. Auch das spielt eine Rolle im New Policies Scenario. Demnach würden die USA, aufgrund ihrer forcierten Ölförderung und Fracking (Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen), der weltgrößte Ölproduzent werden und ein Jahrzehnt später sogar Öl-Exporteur werden. Die Zwei-Grad-Grenze im Blick, mahnt die IEA, dass der fossile Vorrat bis 2050 höchstens zu einem Drittel verbraucht sein darf.

Energieeffizienzpotenzial heute zu zwei Drittel ungenutzt

Das „450 Scenario“, in dem Klimaschutz ernst genommen wird, unterstreicht die Dringlichkeit einer sofortigen Energiewende ohne Aufschub. Damit die Zwei-Grad-Grenze gehalten werden kann, ist es erforderlich das der Treibhausgasgehalt in der Atmosphäre nicht über 450 Einheiten steigt. Um dies zu garantieren, muss der Energieverbrauch im Szenario auf 15 Prozent sinken. Damit diese Vorgabe erreicht werden kann, wird der Fokus auf Energieeffizenz gelegt. Der Einsatz von fossilen Brennstoffen wird auf ein Minimum reduziert und dafür auf die Energiegewinnung durch umweltfreundliche Energieträger wie Solarenergie, Wind- und Wasserkraft, etc. gesetzt. Um den finanziellen Aufwand, der in die mehrere Tausend Milliarden Dollar geht, ist man sich beim IEA bewusst. Eines der Gegenargumente wäre hierbei allerdings eine drastische Qualitätszunahme der Luft und ein geringerer Kostenaufwand für Öl- und Kohleimport. Die Maßnahmen zur Energieeffizienz seien bereits heute wirtschaftlich attraktiv. Die Technik für die Umsetzung einer Energiewende sei bereits vorhanden, jedoch wird bisher nur etwa ein Drittel des Effizienzpotenzials genutzt.

Deutschland als potenzieller Vorreiter der Energiewende

Die Quintessenz der Studie ist klar herausgefiltert. Um drastische Auswirkungen auf das Klima in Zukunft zu verhindern, muss schnell gehandelt werden. Deutschland ist in Sachen Energiewende ambitioniert, aber nicht konsequent genug. Wenn bei der Abschaltung von Atomkraft und dem Ausbau von erneuerbaren Energien ernst gemacht wird, könnte Deutschland als Vorbild fungieren.

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